Im Advent
Our End-of-Year Letter - unser Weihnachtsbrief
Nun haben wir schon den dritten Advent und trotz
aller guten Vorsätze, die Weihnachtspost bis heute erledigt zu haben, ist
es uns einmal wieder nicht gelungen. Vielleicht liegt es daran, daß uns
gar nicht nach Weihnachten zu-mute ist: bis zum 2. Advent hatten wir
herbstliche Temperaturen und auch jetzt scheint die Sonne und wir erwarten
heute zehn Grad. Für einige Tage lag eine leichte Schneedecke und wir
hatten auf den Winter gehofft. Ja, so haben wir uns in Wisconsiniten
verwandelt, die nach einem schönen Sommer den Winter begrüßen:
Ruhe und Besinnlich-keit kehren ein, Zeit für ein gutes Buch und die
vielen liegengebliebenen Projekte, wie Fotos zu sortieren, die alten Dias und
Filme besser zu dokumentieren, den Computer endlich beherrschen zu können
(das gilt natürlich nur für Heidi!!) und die Hobbys zu reaktivieren.
Nun steht aber erst einmal Weihnachten vor der Tür und wir erinnern uns an
das vergangene Jahr.
Winter in IXTAPA
Die Ganze Familie und Oma Lona in Ixtapa
Weihnachten 1997 war sehr ruhig, denn
nur Heidis Mutter war über die Feiertage bei uns. Und um 5 Uhr am
Heiligabend begann es zu schneien, so daß wir um Mitternacht einen
Spaziergang durch eine Traumlandschaft mit beleuchteten Weihnachtszimmern und
frischem Schnee auf den Bäumen machen konnten. Richtig turbulent wurde es
am 27.12., an dem wir uns mit den Kindern im Houston Airport trafen und
gemeinsam an die mexikanische Pazifik Küste nach Ixtapa in den sonnigen
Urlaub flogen. Wir hatten eine große Wohnung gemietet und unser
Zimmermädchen stand uns den ganzen Tag zur Verfügung, so daß
wir sie baten, für uns einzukaufen und zwei Mahlzeiten zuzubereiten. Zwei
Wochen aßen wir nur mexikanisch und das mit großem Genuß! In
diesem Jahr kann Heidis Mutter zwar nicht hier sein, denn sie erholt sich noch
von einer Operation, aber alle unsere Kinder und Enkel kommen nach Brookfield
und wir sieben feiern dieses Mal Weihnachten hier und fliegen wieder nach
Ixtapa. Wir empfinden diese Reisen als etwas Besonderes, weil die Familie etwas
gemeinsam unternimmt und wir Eltern sind dankbar, daß die Kinder mit
ihren Partnern ihrem auflagenschweren Alltag entrinnen können.
Wir verkürzten den Winter mit einigen
Kurzurlauben vor oder nach wissenschaftlichen Tagungen im schönen Sanibel
in Florida und in Phoenix in Arizona. Die Kakteenwälder in Tuscon bilden
eine faszinierende Kulisse der eigenartig grotesken aber doch grandiosen
Wüstenlandschaft. Die Fahrt durch Arizona lehrte uns aber auch, daß
diese Hochwüste trotz ewig schönen Wetters nicht unserer Vorstellung
von Retirement entspricht.
Unser Reiseprogramm war 1998 etwas weniger
weltumspannend, dafür familienbetont. Mark und Lisa zogen von Denver nach
Baltimore. Nach abgeschlossener Aus- und Weiterbildung begann für Lisa die
Tätigkeit als Kinder-ärztin in einer Praxis in Baltimore. Mark hatte
das große Glück , die Facharztausbildung zum Anästhesisten an
der berühmten Johns Hopkins Universität fortzusetzen. Das bedeutete
Hausverkauf, Hausneukauf und Umzug über 3000 km. Da Lisa ihren letzten
Weiterbildungsmonat in Hamburg am Kinderkrankenhaus verbrachte (Solche Optionen
bieten die besseren Weiterbildungsprogramme hier), und somit die Familie den
Monat Mai in Deutsch-land verlebte, fanden Hauskauf und Umzug ohne Mark und
Lisa statt. Ganz schön smart von den beiden! Mark hatte allerdings alles
bestens vorab organisiert und Heidi und Dietmar halfen natürlich gerne,
den Hauskauf abzu-wickeln und den Umzugstransport zu überwachen. Wir
hatten selbstverständlich auch Unterstützung von Barrett und
Annemarei, die begeistert sind, daß nun alle so nahe beieinander wohnen.
Ende Juni fuhr Heidi noch einmal mit dem Auto nach Baltimore, um Mark beim
Einrichten des Hauses behilflich zu sein. Zu dem Zeitpunkt rieten wir Dietmar,
IKEA Aktien zu kaufen, weil wir sicherlich für zwei Wochen deren beste
Kunden waren. Mark, Lisa und Fritzi sind glücklich in Baltimore.
Alle Probleme der Umwelt, der Erziehung und
Krankenversorgung wurden hier in diesem Jahr durch die Monika-Affäre des
Präsidenten überschattet. In diesen Tagen hat das
Amtsenthebungsverfahren seinen Höhepunkt erreicht und wir sehen die Sache
ambivalent . Einerseits empfinden wir, wie die meisten Amerikaner, diesen
Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen als ungeheuerlich,
andererseits bewerten wir die Offenheit als eine der Stärken dieser
amerikanischen Demokratie. In jedem anderen Land wäre so etwas vertuscht
worden und in jedem anderen Land werden viel schlimmere Unehrlichkeiten immer
und laufend vertuscht. Die Sache wird wie das Horneberger Schießen
ausgehen. Erstaunlich ist, wie wenig beeindruckt Clinton seine
Amtsgeschäfte weiterführt. Die Politik der Republikaner wird von
wenigen Wählern unterstützt. Ihre Stimmenverluste dürften bei
der nächsten Wahl noch höher ausfallen. Sie aber hoffen, daß
dann alles vergessen sein wird
Das Wetter bescherte Milwaukee den Sommer bereits
ab Mai, es gab zum ersten Mal seit vielen Jahren einen aus-gedehnten
Frühling und trotz eines milden Winters begann die Mückenplage erst
am 6. August nach einer extremen Regenmenge von 30 cm innerhalb von drei
Stunden! Autoeinfahrten wurden zu reißenden Bächen und Straßen
zu angsteinflößenden Strömen. Dietmar bekam selbst in seinem
hochgelagerten Van nasse Füße, da der Motor in einer
Regenpfütze auf der Kreuzung ersoff. Er mußte zu Fuß nach
Hause und war froh, daß er schwimmen konnte. Hitze und
Überschwemmung ließen dann die Mückenplage explodieren
Im Mai flogen Heidi und Dietmar für eine
Woche nach England. Die ersten drei Tage verbrachten wir bei Mary und Allen in
Scarborough, wohin wir mit der Bahn fuhren und in einer mit viel Liebe zu Bed
und Breakfast umgestalteten Bahnstation wohnten. Dann ging es mit einer alten
Dampflok durch Yorkshire Dietmar befand sich im Eisenbahn-traumland.
Während der drei Tage in London, das uns nach so langer Zeit wieder
richtig gut gefiel spontan sagten wir, hier könnten wir leben -
trafen wir Heidis Cousine Rita und ihren Mann George. Es war spannend und
unterhaltsam über unsere Familien und Vorfahren zu reden und Erinnerungen
mit Gehörtem zu vergleichen und auszutauschen. Abends besuchten wir das
Musical Miss Saigon" . Heidi gefielen Thema und Musik ausgesprochen
gut, während Dietmar nicht so begeistert war, aber er war schon von
Les Miserables", das der gleiche Komponist verfaßt hat,
weniger angetan. Wir sind sehr froh, daß wir neue Familienbande in
England geknüpft haben und werden sie pflegen. Die Theater in Milwaukee
boten diesen Sommer viele Broadway Produktionen, von denen wir
Showboat", Westside Story" und Riverdance",
die irischen Steptänze, auf der Bühne erlebten.
Waehrend wir in Baltimore und England waren,
hatte Gisas Tochter Kathi unser Haus gehütet . Sie wollte nach ihrem
bestandenen Schwesternexamen berufliche Erfahrungen in Amerika sammeln. Leider
konnte sie hier aus rechtlichen Gründen weder hospitieren noch arbeiten,
sondern nur stundenweise mit Kindern auf der Krebsstation spielen, eine
Tätigkeit, die von freiwilligen Helfern übernommen wird.
Ende Mai kamen Dietmars Mutter und Reinhard
für vier Wochen zu Besuch. In diesen Wochen wurde es schon recht warm,
aber dennoch haben sie wohl eine angenehme Zeit hier verbracht. Die Reise an
den wunderschönen, nordisch herben Obere See und die Apostelinseln wird
wohl nicht vergessen werden.
Nach einem schönen Sommer verbrachten wir
Ferien mit Uschi und Walter, Dietmars Cousine und deren Mann, in Las Vegas und
in den Rockies, um den Grand Canyon in Nevada und Arizona zu erleben. Daß
der Grand Canyon atembe-raubend schön und gigantisch ist, wissen wir, aber
zu unserer Überraschung war auch Las Vegas gigantisch und demon-strierte
amerikanische Superlative. Unser Erstaunen der Unterkiefer blieb uns
studenlang hängen ist nicht in Worten faßbar. Die Sache ist
erlebenswert. Komischerweise wurde nach wenigen Tagen alles langweilig.
Zu Marks 30. Geburtstag flogen wir nach Baltimore, genossen die Tage mit den Kindern sehr,
natürlich besonders Fritzi, 4 Jahre, die nach den vier Wochen in Hamburg
sehr gut deutsch versteht und, wenn es sein muß, auch spricht. Sie
besucht einen Waldorf-Kindergarten und für zwei Stunden in der Woche eine
deutschsprachige Spielgruppe. Lisa sammelt in Baltimore ihre ersten
Praxiserfahrungen. Auch übernimmt sie Nachtdienste in einem Nachsorge
Kranken-haus für Kinder. Mark ist absolut glücklich mit seiner neuen
Position. Auch Anna und Barrett kamen zur Geburtstags-feier. Annemarei befindet
sich im letzten Jahr ihres Medizinstudiums und hat damit alle wichtigen und
aufreibenden Monate hinter sich. Sie weiß inzwischen, daß sie
Neurologin werden will und ist in diesen Wochen wegen der
Vorstel-lungsgespräche an der Ost- und Westküste auf Reisen. Barrett
hat im Mai sein Jura Studium beendet und in der näch-sten Woche wird er
zum Anwalt eingeschworen. Um Annas 4. Studienjahr zu überbrücken,
studiert er zusätzlich Pädagogik und wird ab Mai 99 Geschichtslehrer
sein. Diese Ausbildung macht ihm wirklich Spaß. Für ihn ist das
Arbeiten mit Kindern so wichtig, daß er darin eine mögliche
Lebensaufgabe sieht. Und das als vollausgebildeter Jurist? So wird man
überrascht.
1998 brachte viele Veränderungen und 1999
wird nicht anders sein. "Panta rei". Unser Ziel bleibt dennoch, alle
Wittmanns in einem ranchartigen Anwesen in Virginia (?) zu vereinen,
eventually. Im Kyberspace sind wir das schon: siehe unsere ersten "Web
page" Versuche: www.colonna.net.
Fröhliche Weihnachten und ein gutes 1999
Dietmar und Heidi
Buckingham Place am Weihnachtsabend 1997
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