Our End-of-Year Letter - unser Weihnachtsbrief 1996

Christmas Tree in our house

Im Advent
Die ist unser Weihnachtsbrief an die Freunde in Europa

Liebe Freunde!

Wieder einmal feiern wir den ersten Advent mit Schnee und kurzer werdenden Tagen und nun ist es bereits der achte Jahreswechsel, den wir in Amerika begehen werden. Jedes Jahr hat uns neben den vielen Reisen etwas Besonderes beschert: wie im letzten Jahresbrief angekündigt, haben Annemarei und Barrett am 29. Juni 1996 geheiratet. Wie alle Hochzeiten war auch dies mit vielen Aufregungen und Vorbereitungen verbunden. Einen grossen Teil der Arbeit haben aber die Brautleute selbst übernommen, bedingt natürlich auch dadurch, dass Annemarei zwei Autostunden entfernt von Barrett wohnt, die Hochzeit aber wiederum in der Nahe von Gettesburg, etwa auf halbem Wege zwischen Hershey und Baltimore stattgefunden hat. So haben viele Freunde und Verwandte Aufgaben úbernommen, die Anna und Barrett einerseits mehr Zeit für das Studium ließen, andererseits aber auch der Hochzeitszeremonie und dem Fest den Rahmen gaben, den Annemarei und Barrett sich gewünscht hatten. Zwei Punkte waren den beiden für ihre Feier besonders wichtig, einmal daß die liebsten Freunde und Verwandten kamen, um ihnen Gluck mit auf den Weg zu geben, besonders aber die Großmutter Ruby, Lona und Oma. Zum anderen sollte die Zeremonie in der Natur, der sich beide so verbunden fühlen, stattfinden, zwischen Bäumen, unter freiem Himmel, über einem Wasser, alles Dinge, die Leben symbolisieren. So hat Henry Rosemont, Annas und Barretts Philosophieprofessor, die Zeremonie der Natur und dem ganzen Leben gewidmet, worin alle großen Religionen einen Platz finden und so das Brautpaar mit Lebensweisheiten des Taoismus, des jüdischen Glaubens, der Aufklärung und der christlichen Religion in die Gemeinsamkeit geführt, abschließend aber wieder auf die Kraft von Erde und Wasser verwiesen.

Viele Gäste haben anschliessend gemeint, es sei eine sehr romantische Feierlichkeit gewesen. Mit irischer Volksmusik begleiteten uns drei Musiker durch das Essen. Gerne hatten wir noch mehr von ihnen gehört, doch entgegen aller stündlich eingeholten Wettervorhersagen begann es um 9 Uhr bei 25 C tropisch zu regnen, so das wir leider auf die Terrasse gehen mußten und auch nicht mehr tanzen konnten. Das war eigentlich sehr schade, doch Annemarei und haben Barrett haben ihre Hochzeitsfeier sehr genossen, Barrett vor allem wohl auch, weil Anna nicht nur eine Hochzeitstorte nach einem alten amerikanischen Rezept selbst gebacken und dekoriert hat, sondern eigens eine Schokoladentorte für Barrett. Am Morgen nach der Hochzeit schien wieder die Sonne und die Temperaturen stiegen auf 33 C, so das sich die meisten Gäste nach dem Geschenkeauspacken auf den Heimweg machten. Das junge Brautpaar verbrachte den Nachmittag mit den engsten Freunden in dem Bach, über dem sie geheiratet hatten und empfanden diesen Abschluß als besondere Abrundung der Zeremonie. Drei Tage später flogen Annemarei und Barrett nach England, um dort radelnd ihre Flitterwochen zu verbringen: sechs Wochen England, Schottland und Irland. Seit Ende August studieren beide wieder sehr fleissig, wohnen aber leider noch immer getrennt, worüber sie sich immer häufiger beklagen. Ihre gemeinsame Wohnung haben sie in Baltimore, wo Barrett Jura studiert und Anna fahrt einmal wahrend der Woche und am Wochenende mit dem Auto von Hershey dorthin. Nun hofft Anna, das sie im 3. Studienjahr, d.h. am 1. Juli 1997 an die Universität von Maryland nach Baltimore transferieren kann, um dort ihr Medizinstudium zu beenden.

Wir Eltern wohnen nun auf halbem Wege zwischen Baltimore und Denver, also kein Wunder, das unsere Telefonrechungen astronomische Hohen erreichen. Wahrend Anna und Barrett ihre wertvolle Zeit entweder miteinander oder mit dem Studium verbringen, sind bei Mark und Lisa durch die quirlige kleine Fritzi schon echte Familienverhältnisse eingekehrt und natürlich hören wir besonders gerne von und über Fritzis Sprach - und Erfahrungsfortschritte. Inzwischen spricht sie ganze Sätze und versteht alles auch in Deutsch, derweil bei ihnen seit September ein Au pair Mädchen aus Deutschland lebt, die mit unserer Enkelin Deutsch spricht. So kommt es dann zu Unterhaltungen, wie gestern auf dem Spaziergang im Park. Mami, where are all the Blumen? Fritzi, what do you mean? Oh! I mean all the flowers!! Lisa hat in diesem Monat die Hálfte ihrer Facharztausbildung hinter sich und sieht dem Ende mit Freude entgegen. Mark hat sich neben seinem Chirurgenjob noch ein job ähnliches Hobby zugelegt: in seiner Freizeit baut er den Keller aus, wobei er unter Druck steht, weil sie häufig mal Schlafbesuch haben und spätestens, wenn wir Weihnachten kommen, der Keller einem neuen Wohnzimmer gleichen soll. Bei ihm stimmt zumindest eine alte deutsche Chirurgenweisheit, das der Operateur auch ein guter Handwerker sein muß. Auch Fritzi liebt die Arbeit mit Schraubenzieher und Farbpinsel. Vergangene Woche sagte Mark, er müsse noch schnell in den Baumarkt fahren, worauf Fritzi fragte, Papi, do we need another screwdriver? Und natürlich - zu Marks Leidwesen mußte die Tochter mit zum Nagel aussuchen.

Unsere Kinder wohnen zwar viel zu weit von uns weg und haben natürlich auch wenig Zeit, aber sie sind alle mit ihrem Leben glücklich.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder gemeinsam Reisen unternommen, aber auch einiges unabhängig voneinander. Ende Februar brachen wir wieder einmal zu unserem jährlichen Skiurlaub auf, in dem es uns sehr weit nach Norden, in den Staat Wyoming nach Grand Targhee zog. Die Landschaft ist sehr reizvoll, die Abhänge wunderschön und das Ambiente hat mehr kanadischen als kalifornischen Charakter, was uns auch gut gefiel. Dafür waren die Tage so kurz und kalt wie in Canada. Uns gefallen die südlichen Rockies im Winter wegen des guten Wetters wohl doch besser.

Da wir auf dem Hin- und Rückflug die Kinder in Denver besucht haben, blieben uns nur 5 Tage zum Skilaufen, das war etwas zu wenig. Wir werden es 1997 in Snowbird, Utah, nachholen. Im März war einmal wieder Heidis Visum abgelaufen und sie flog für zehn Tage nach Hamburg, um meine Mutter und Freunde zu besuchen. Dietmar war zu diesem Zeitpunkt schon sehr intensiv mit der Vorbereitung des Surgical Infection Society Meetings hier in Milwaukee beschäftigt. Die gesamte Organisation lag in seiner Hand und nach dem viertägigen Treffen wurde ihm zu einem wundervollen Erfolg gratuliert.

Wir beendeten das Treffen am 27. April, indem wir alle ausländischen Chirurgen in unser Haus zum Cocktail und Abendbuffet einluden. Ein Tag blieb uns dann noch für die abschließenden Reisevorbereitungen zu einem dreiwöchigen Europaaufenthalt, der mit dem Flug nach Paris am 29.4. begann. Dort blieben wir nur einen Tag, um dann nach Leipzig weiterzufliegen.

Nach sehr vielen Jahren kamen wir endlich einmal wieder nach Ostdeutschland, in die ehemalige DDR und waren sehr überrascht, wie sich die Stadt und ihre Menschen darboten. Sehr begeistert waren wir natürlich von dem neuen Messezentrum, von den Renovierungen in der Innenstadt und dem Service im Interconti Hotel. Ein kleines Problem hatten wir mit dem Verhalten einiger Taxi-fahrer in der Stadt, denen der Begriff Dienstleistung noch einige Probleme bereitete. Unser gesamter Aufenthalt in Leipzig war jedoch geprägt von einer gastfreundlichen jungen Dame, Jule Damm, Tochter guter alter Freunde aus Hamburg, die im Frühjahr bei Dietmar in der Klinik famuliert hatte und nun alles mehrfach wieder gutmachte: sie war Stadt Führerin, Restaurantführerin und besorgte uns Eintrittskarten für das Kabarett Gugglmusch: seit dem Abend empfinden wir die sächsische Mundart liebenswert, es war eines der schönsten kulturellen Ereignisse der vergangenen Jahre. Danke Jule.

Ich flog von Leipzig nach Hamburg und Dietmar zu einem Kongreß nach Nizza, um danach auch noch einige Tage in Hamburg zu sein Am 11. Mai flogen wir von Hamburg nach Antalya, an die Türkische Südküste, wo am 16.5. der türkische Chirurgen-Kongress begann und uns somit noch fünf Tage richtiger Urlaub vergönnt waren. Der Ankunftstag war schon besonders schön: es war mein Geburtstag und viele liebe Freunde und Verwandte hatten mir Geschenke mitgegeben, die ich am Abend nach einem romantischen Essen zu zweit mit viel Freude ausgepackt habe. Die folgenden Tage waren angefüllt mit Ausflúgen in die Stadt und zu den Ausgrabungen, mit Schwimmen im Meer und nach zwei Tagen blieb sogar Dietmar mehrere Stunden im Liegestuhl, ohne seine Arbeit zu vermissen. Zu dem Kongreß waren auch noch andere Freunde aus Europa und USA als Redner eingeladen, so das wir eine fröhliche Gruppe waren und viel Spaß hatten.

Mit diesen wunderschönen Urlaubstagen war ich gut ausgeruht für die letzten Hochzeitsvorbereitungen, zu denen Anna und Barrett nach Milwaukee kamen. Dietmar flog allerdings Ende Mai noch einmal zu einem Kongreß nach Paris und dann weiter nach Hongkong und als er wieder nach Hause kam, waren Anna und Barrett wieder zurück nach Baltimore gefahren, dafür waren aber die ersten Hochzeitsgäste bei uns angekommen. In diesem Zusammenhang führt es einfach zu weit, die gesamten Familienreiseunternehmen dieses Sommers zu schildern, viele von Euch waren ja eh dabei. Der Ausklang dieses Familiensommers war eine Autotour von vier Tagen durch einen kleinen Teil der Rockies, bei dem wir mit der Gondel auf 4000m fuhren, und selbst Lona mit ihren 81 Jahren, drei Wochen fehlten bis zum 82. Geburtstag, hat die Hohe prima gemeistert. Teilnehmer dieser ungewöhnlichen Gruppe waren Lona, Ingrid, Heidi, Holger, Liliane und Marie-Louise.

Mitte August glaubten wir, es sei nun Ruhe genug, um die vergangenen Wochen zu verarbeiten in Form von Filmen und Fotos und natürlich einigen Aufräumarbeiten. Doch ereilte uns die Nachricht, dass Anna und Barretts Jetta den Geist aufgegeben hatte und sie natürlich ein Auto brauchten. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns aber schon entschlossen, Mark und Lisa meinen Audi zu geben, und ich wollte mir einen neuen Wagen kaufen. Also bekamen Anna und Barrett den Grand Voyager, den sie sich am 2.9. abholten, wir brachten dann in den folgenden zwei Tagen den Audi nach Denver, wo wir drei Tage blieben. Dietmar flog von dort zu einem Meeting nach Korea und ich in ein noch immer nicht aufgeräumtes Haus

China.
Dietmar war kaum einen Tag von der Reise zurük, als ich schon wieder im Flugzeug nach Hamburg saß. In Hamburg mußte die Abwicklung des Hausverkaufs eingeleitet , die letzten Habseligkeiten zur Verschiffung gebracht und Weihnachtseinkäufe erledigt werden. Reichlich Arbeit für zehn Tage in Hamburg, Ihr seht, es blieb keine Zeit, Euch alle anzurufen oder gar zu besuchen. Hamburg hatte aber für einen dienstleistungsverwöhnten Neuamerikaner einige Überraschungen parat: Postschalter ohne Glasverkleidung, dahinter freundliche Beamte, Einkaufen durchgehend und dann bis um 20 Uhr und dadurch Entzerrung im Feierabendverkehr: zur Rush-hour nur 45 min. durch die Innenstadt von Blankenese bis Sasel - wenn das kein Fortschritt ist!!! Dafür war das Wetter allerdings so richtig November in Hamburg, aber dafür kann ja keiner etwas. Es war trotzdem wieder schön mit Euch allen. Eine Reise hat Dietmar noch vor sich und danach fliegen wir mit Anna und Barrett nach Denver, wo wir am 24. bei Mark und Lisa mit unserer neuen Familie, wozu ja auch nun Barretts Schwester Carolyn und ihr Mann Eric gehören, die auch in Denver wohnen.

Heiligabend feiern werden und am 25. gibt es dann bei Carolyn für uns alle ein amerikanisches Weihnachten. Und natürlich nehmen wir unsere Skier mit, denn in 40 min. ist man im schönsten Schnee. Schließlich wird es ja auch Zeit, dass Fritzi auf die Bretter kommt.

Fröhliche Weihnachten und ein friedvolles Neue Jahr
wünscht Euch
Heidi und Dietmar